Wenn ein Angehöriger stirbt

Sich vorzustellen, wie man einen geliebten Menschen verliert, fällt schwer. Doch plötzlich ist es so weit - oder es steht unmittelbar bevor: Ein Mensch, der Ihnen nahe steht, stirbt. Sie müssen mit Ihren Gefühlen klar kommen, aber auch an Vieles denken und sich entscheiden. Aber zuerst einmal heißt es, zu trauern und Abschied zu nehmen.

Abschied nehmen

Wann der Tod eintritt, liegt am Ende nicht in unserer Hand. Wir können aber den Abschied gestalten: Vielleicht ist nur noch eine stille Geste möglich. Vielleicht können Sie sich sagen, was Ihnen aneinander wichtig ist und war – und das, was Sie sich füreinander wünschen. Bitten Sie die Pastorin ihrer Gemeinde oder den Krankenhausseelsorger, Ihnen in dieser Situation beizustehen.

Aussegnung

Rituale geben uns Geborgenheit. Die Aussegnung gehört dazu. Dazu kann - zu Hause oder im Abschiedszimmer des Krankenhauses oder Altenheims - ein Kreuz aufgestellt werden. Kerzen werden entzündet. Ein Pastor oder andere - Angehörige, Nachbarn, Freunde - beten gemeinsam, hören ein Wort aus der Bibel, werden still. Für Weinen, Klagen, Schweigen ist Zeit und Raum. Der Verstorbene wird noch einmal gesegnet. Segen spricht der Pastor aber auch den Hinterbliebenen zu: vor ihnen liegt meist eine schwere Zeit.

Sich die Trauer von der Seele reden - Copyright: © epd-bild.de

Mit Kindern reden

Kinder finden den Tod von Natur aus interessant. Stirbt zum Beispiel das Haustier oder ein Vogel, trauern sie häufig zum ersten Mal – aber sie sind auch neugierig genug, das Tier in die Hand zu nehmen, es zu untersuchen und zu begraben. Auch wenn Sie vielleicht in einem ersten Impuls die traurige Neuigkeit verbergen wollen – besser ist es Traurigkeit, Tränen und Angst zunächst einmal bei sich selbst und dann beim Kind zuzulassen. Eine Fassade zu wahren,  kostet Kraft. Sie kann auch verhindern, dass sie sich dem Kind innerlich zu wenden. Wenn Sie sich Ihren Gefühlen stellen, hat es die Chance zu lernen, dass der Tod zwar etwas Schmerzhaftes ist, aber dass das Leben weiter geht.

Wenn ein Mensch gestorben ist

Das Trauergespräch

Rechtzeitig vor der Trauerfeier oder der Aussegnung schlägt Ihnen der Pastor ein persönliches Gespräch vor. Meist kommt er dafür zu Ihnen nach Hause. Sie haben Zeit, über alles zu reden, was Sie bewegt.

Der Pastor wird Sie nach dem Leben der Verstorbenen fragen. Das hat einerseits seelsorgliche Gründe: Er regt Sie dadurch an sich zu erinnern. Das ist für die Trauerarbeit wichtig.

Andererseits sammelt er dadurch auch Informationen und Eindrücke, um die Trauerfeier möglichst persönlich zu gestalten. Besprechen Sie mit Ihrem Pastor, wenn Sie etwas nicht vor der Trauergemeinde veröffentlicht wissen möchten. Der Pastor steht unter der Schweigepflicht, die mit dem Seelsorgegeheimnis verbunden ist.

Bei diesem Gespräch können Sie vereinbaren, wie die Trauerfeier gestaltet wird. Vielleicht wissen Sie ein Bibelwort, das dem Verstorbenen wichtig war, etwa sein Tauf- oder Konfirmationsspruch. Überlegen Sie auch, wer zur Trauerfeier eingeladen werden sollte. Wen möchten Sie in Ihrer Nähe wissen? Und wem sollten Sie Gelegenheit geben, dem verstorbenen Menschen die letzte Ehre zu erweisen? 

Die Beisetzung gestalten

Die Bestattung hat zwei Elemente: den Gottesdienst in der Kirche oder einer Trauerhalle und die Handlung am Grab. Die Abfolge ist örtlich verschieden. Im Trauergottesdienst soll Zeit und Gelegenheit sein für Trauer und Klage, Stille und Fürbitte. Biblische Texte und eine Ansprache stellen den Bezug zwischen dem vergangenen Leben und der bergenden Liebe Gottes her.

Den Trauergottesdienst begehen Hinterbliebene, Freunde, Kolleginnen, Nachbarn und Kirchengemeinde gemeinsam. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die Feier individuell zu gestalten. Dies betrifft vor allem die Auswahl von Instrumentalmusik und Liedern, Bibelstellen und anderen Texten. Sprechen Sie mit ihrer Pastorin darüber.

Trauernder Engel an einem Grabmal - Copyright: © / fotolia.com

Symbole

  • Schwarze Kleidung

    Wer schwarze Kleidung trägt, will sich den Blicken anderer entziehen - so zumindest die ursprüngliche Idee. Früher war die Vorstellung prägend, dass der Tod in Gestalt einer Person bei der Trauerfeier anwesend sei. Um ihm nicht aufzufallen, oder gar sein nächstes Opfer zu werden, verbarg man sich in schwarzer Kleidung. Der schwarzen Kleidung haftete somit die Vorstellung an, sie könne die Menschen schützen. Schwarze Kleidung ist in unserer Kultur aber auch Festkleidung zu ganz besonderen Ereignissen, die über den Alltag hinausreichen.

    Bis heute hat dunkle Kleidung die Funktion behalten, dass sie ohne Worte eine Bitte an die Umwelt formuliert: "Ich trauere um einen geliebten Menschen und bin deshalb nicht so wie früher. Oft bin ich traurig und ich will, dass du das weißt." Sie markiert einen Schutzbereich. Wer sie trägt, mutet sich auf besondere Weise dem Nächsten zu.

  • Grabsteine

    Bereits in der Antike wurden auf Gräbern Stelen errichtet. Diese erinnern an einen aufrecht stehenden Menschen. So können sie das Leben auf dem Grabmal eines verstorbenen Menschen symbolisieren.

    Auch die ersten Christen ehrten die Verstorbenen durch Grabpflege und Erinnerungskultur. Stein ist beständig. Unerschütterlich soll auch das Andenken sein. Die Form des Kreuzes erinnert an die Auferstehung. Die waagerechte Grabplatte aus Stein hatte ursprünglich wahrscheinlich den Zweck, den Leichnam vor der Exhumierung durch wilde Tiere zu schützen. Heute wird sie oft auf den Gräbern gewählt, die nicht regelmäßig gepflegt werden können

  • Kränze

    Der Brauch, Gräber zu schmücken, ist erst etwa 200 Jahre alt. Der Kranz ist dabei das Symbol für die Unvergänglichkeit. Der Kranz hat keinen Anfang und kein Ende. So auch Gottes Liebe und sein Wesen als Schöpfer: Er schafft die Welt immer wieder neu und aus Vergangenem geht neues Leben hervor.

Bestattungsformen

Nach christlicher Tradition gehört die Bestattung zu den "Werken der Barmherzigkeit". Weil Christinnen und Christen in der Trauerfeier den verstorbenen Menschen verabschieden und damit ihrer Liebe ein letztes Mal Ausdruck geben, weil sie seine gottgegebene Würde achten und ihm die letzte Ehre erweisen. Und weil Glaube und Gemeinde den Hinterbliebenen helfen können, mit dem Tod eines geliebten Menschen weiter zu leben. Darum hat der Segen in dieser Feier eine zentrale Rolle.

Im Lauf der Geschichte haben sich in Deutschland vor allem zwei Formen eingebürgert, die Beerdigung, also Erdbestattung und die Feuerbestattung. Daneben werden noch die Seebestattung und die anonyme Bestattung praktiziert.

Viele Menschen nutzen den Friedhof, um den Verstorbenen nahe zu sein. - Copyright: © epd-bild.de

Mit Trauer leben

Nach der Bestattung

Sie haben viel zu erledigen. Sie sprechen mit Versicherungen, Banken und dem Bestattungsinstitut. Beschäftigen sich möglicherweise mit dem Testament. Entscheiden, wie das Grab aussehen soll. Sie lösen eventuell einen Haushalt auf oder müssen umziehen. All das nimmt sie in Beschlag. Zugleich spüren Sie immer wieder, dass sie innerlich ganz woanders sind.

Wer trauert, für den verändert sich häufig das Zeitempfinden. Manchmal mögen Sie denken: „So kenne ich mich gar nicht.“ Gefühlsschwankungen sind in dieser Situation normal. Verurteilen Sie sich nicht dafür, sondern seien Sie nachsichtig mit sich. Menschsein heißt Grenzen zu erfahren. 

In der Tauerzeit können religiöse Fragen aufbrechen. Was tröstet mich? Was ist der Sinn des Sterbens, des Leidens, des Lebens? Auch Schuldgefühle kommen manchmal hoch. Oder Dinge, die zwischen dem Verstorbenen und Ihnen offen geblieben sind. Wenn Sie das Bedürfnis verspüren, über Ihre Fragen zu sprechen, wenden Sie sich gerne an PAstorin Ada Woldag oder Pastor Martin Goetz-Schuirmann.


Erinnerung mitten im Alltag - Copyright: © epd-bild.de

Trauernden nah sein

Oftmals ist es das Bedürfnis der Trauernden, sich zurückzuziehen. Sie können schriftlich oder mündlich Ihre Anteilnahme signalisieren und Unterstützung anbieten: "Wenn ich irgendetwas für dich tun kann, lass es mich bitte wissen. In der nächsten Woche werde ich dich anrufen und dir diese Frage auch persönlich stellen."

Ein stummer Händedruck, ein Kopfnicken, ein Blick signalisieren, dass Sie da sind. Besuchen Sie Trauernde. Rufen Sie an. Bringen Sie in der ersten Zeit etwas zu Essen vorbei. Laden Sie ein. Tun Sie all dies als offene Angebote: die Trauernden können sie annehmen oder ablehnen. Trauer ist ein Prozess. Was gestern noch abgelehnt wurde, wird in vier Wochen vielleicht begrüßt und umgekehrt. Bleiben Sie dran.