"Seelenfutter" von Britta Schuirmann: Der Test

"Seelenfutter" von Britta Schuirmann: Der Test


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Veröffentlicht von Martin Goetz-Schuirmann am Samstag, 9. Mai 2020, 17:57 Uhr
© pixaby

"Seelenfutter" von Britta Schuirmann

Der Test

„Vielleicht ist das Ganze ein Test, so ´ne Art Prüfung“ sagte er mit Blick nach oben.

„Du hast manchmal so komische Ideen“, sagte sie nur, und auch der Rest der Familie zeigte sich nicht sonderlich gesprächsbereit, alle sahen in eine andere Richtung.

Der Lagerkoller hatte sich eingenistet.

Nach wochenlanger Ausgangssperre war die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Zu Beginn hatte man noch trotz der Katastrophe, die von einem auf den anderen Tag zur Isolation geführt hatte recht stimmungsvolle Abende miteinander verbracht, aufgeregte aber durchaus angeregte Gespräche über die Weltlage geführt.

Dadurch dass draußen das Leben zum Stillstand gekommen war, hatte sich zwangsweise eine Entschleunigung eingestellt.

„Das hat auch sein Gutes“ hatte er in die Runde gegeben, „man findet wieder zu sich selbst zurück und kann sich Zeit nehmen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben..“ und dann hatte er sich wieder in eine seiner Ideen gestürzt und aus Holzresten einen Indoor-Kaninchenstall gebaut.

Und immerhin war die ganze Familie beieinander. Das sorgte zunächst für ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Aber dieses gute Gefühl wich angesichts der Enge drinnen und der fortwährend hoffnungslosen Lage, die draußen das Weltbild beherrschte.

Schon nach zwei Wochen Quarantänezustand machte sich die Niedergeschlagenheit zwischen den Wänden breit.

Besonders der Regen machte allen zu schaffen. Wie lange draußen schon sintflutartige Wassermassen vom Himmel kamen , konnte keiner so richtig sagen, eine gefühlte Ewigkeit.

„Trotzdem..“ begann er wieder, „das Ganze ist auch eine Herausforderung für die Menschheit, es geht doch jetzt darum, was wir aus dieser Krise machen, ob wir darin einen Neuanfang sehen!“ und da war es wieder, dieses unbeirrbare Leuchten in seinen Augen.

-

Ich kümmere mich dann mal um die Tiere, sagte sie nur, und als sie vom Tisch aufgestanden war, hörten es alle:

Nichts

Es hatte aufgehört zu regnen.

Die Hoffnung kehrte zurück.

Sie begannen neu zu denken und zu planen, auch wenn niemand wusste, wann und ob ihre Ideen nach der Krise in der Welt Bestand haben würden.

Und als sie nach drei weiteren Tagen ins Freie traten, sahen sie mit einem einzigen Blick, dass die Welt auch draußen sich wieder öffnete, und das Leben mit all seinen Farben eine Vielfalt der Möglichkeiten bereithielt.

Na bitte, sagte Noah, und zeigte auf den Regenbogen, als ob das Ganze wieder eine seiner Ideen gewesen sei.