Auf der Durchreise

Auf der Durchreise


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Veröffentlicht von Martin Goetz-Schuirmann am Samstag, 28. März 2020, 19:24 Uhr
© pixabay

Ihr Lieben

Auch in Zeiten von Corona, wo doch alles so unnormal ist, tut es gut ein wenig Normalität zu wahren. Die Normalität nämlich, sich wie jeden Sonntag von Bibeltexten berühren zu lassen, ohne angefasst zu werden, was gerade verboten ist.

Seelenfutter nennen wir es.

Sonntag Judika heißt der fünfte Sonntag der Passionszeit.

Gott, schaffe mir Recht“, so beginnt der 43. Psalm, woher dieser Sonntag seinen Namen hat.

 

Ich höre die Schreie nach Recht und Gerechtigkeit immer inständiger und dringender:

Im Blick auf die Geflüchteten, insbesondere der festsitzenden 40.000 Menschen in den völlig überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln.

„Wo wir uns besonders häufig und gründlich die Hände waschen, müssen sich in Moria auf Lesbos 1300 Menschen den Wasserhahn teilen. Seife gibt es nicht.“ (Brief der Flüchtlingsbeauftragten der Nordkirche vom 18.3.20).

„Gott schaffe ihnen Recht“.

Auch im Blick auf unser wirtschaftliches Handeln – Konsum, Lieferketten, fairer Handel, Rohstoffe – und die weltweiten Verflechtungen, die plötzlich in Zeiten des grenzenlosen Virus, auch bedrohlich deutlich werden.

Gott schaffe Recht“.

Wir haben noch einen zweiten Text an diesem Sonntag, der mich berührt.

Der Predigttext für den fünften Sonntag in der Passionszeit findet sich im Buch an die hebräischen Gemeinden, im Kapitel 13:

 

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, aber die Zukünftige suchen wir.“

 

Was für ein Trost.

Als Christinnen und Christen stehen wir in der Nachfolge Jesu fest im Leben und haben all unsere Aufgaben und Nöte im Blick. Ich weiß, was in meiner „Stadt“ zu tun ist. Zugleich glauben wir aber auch, dass Gottes Welt viel, viel, viel mehr und größer ist, und dass jede und jeder einzelne nur auf der Durchreise ist.

Dazu eine kleine Geschichte:

 

Ein reicher Tourist besichtigt ein Kloster. Ein Mönch zeigt ihm freundlich und fröhlich Kapelle und Refektorium, Kreuzgang und Bibliothek. Wo er denn wohne, so ganz privat, erkundigt sich der Tourist; und der Mönch zeigt ihm seine Zelle, klein und sehr bescheiden eingerichtet. „Ja, aber …“, wundert sich der Tourist und fragt: „Wo haben Sie denn Ihre Sachen?“ – „Wo haben Sie Ihre Sachen?“, fragt der Mönch den Touristen. Seine Antwort: „Ich bin ja nur auf der Durchreise.“ – „Ich auch“, erwidert der Mönch.

 

Auf der Durchreise sein – durch Überforderung, Wut, Sorge und Angst hindurch. Lasst uns reisen. Es wird weitergehen. Anders.

Wir können und sollen dazu beitragen und all den Einsatz zeigen, zu dem wir fähig sind. Weil wir wissen: Wir sind nicht allein. Gott ist bei uns und Gottes Gemeinde ist groß.

Es wird weitergehen, mit uns, nach uns, und sogar nach allem, was vorstellbar ist.

Gottes Gemeinde, Gottes Welt, Gottes Stadt ragt weiter in die Zukunft als wir denken können.

Was für ein Trost.

 

Der 43. Psalm – unser Wochenpsalm - endet übrigens so:

 

Was bist du so bedrückt, meine Seele?

Warum bist du so aufgewühlt?

Halte doch Ausschau nach Gott!

Denn gewiss werde ich ihm noch danken.

Wenn ich nur sein Angesicht schaue,

hat mir mein Gott schon geholfen.

 

Bleiben Sie behütet wünscht Ihnen

Kirstin Kristoffersen

Kommentare

Heike Hattenkofer
Mein ganzes Leben bin ich schon auf Reisen. Wenn alles gut ist, denke ich: Danke! Und mache weiter. Wenn etwas nicht gut ist, denke ich: Es wird immer so weitergehen! Und das tut mir nicht gut. Dabei stimmt das gar nicht! Ich könnte genauso gut sagen: Danke! Und weitermachen. Denn nichts bleibt wie es ist. Das Gute kann sich ändern. Das Beunruhigende auch! Gott sei Dank!
Christiane Kunst
Danke für die Worte, fürs Durchhalten und überhaupt! Bleib(t) gesund!